Vom täglichen Büroalltag
Ich bin auf der Arbeit und ich betrachte die Menschen um mich herum. Einige davon kenne ich mittlerweile ganz gut, ich weiß, was sie bewegt und welche Träume und Zukunftsvorstellungen sie haben. Andere kenne ich nur flüchtig. Ich unterhalte mich mit ihnen, aber die Themen bleiben an der Oberfläche, sie beschränken sich auf Gespräche über das Wetter, die Arbeit und streifen am Rande private Gebiete, in etwa, was man am Wochenende unternommen hat, usw. Wieder andere kenne ich überhaupt nicht, ich weiß noch nicht mal ihren Namen.
Trotzdem kann man über jeden einzelnen von ihnen eine Geschichte erzählen. Wenn man tagtäglich acht Stunden zusammen in einem Raum verbringt, beobachtet man so manche Eigenart. Man lernt die Menschen kennen. Nicht natürlich ihr Inneres, ihre Gefühle und Gedanken, aber die Ticks und Angewohnheiten, die sie haben. Da gibt es diejenigen, die sich vor der Arbeit drücken und ca. die Hälfte des Tages in der Küche zubringen und um ein Alibi zu haben, zum hundertsten Mal über die Arbeitsplatte wischen oder die Spülmaschine kontrollieren. Dann gibt es solche, die unter einer chronischen Blasenschwäche zu leiden scheinen, und jede halbe Stunde fluchtartig die Toilette aufsuchen. Wieder andere scheinen ohne Kaffee nicht überleben zu können und trinken ca. 8 Tassen dieses Gesöffs an einem Tag, wobei manche von ihnen die unangenehme Angewohnheit haben, jeden im Raum wissen zu lassen, dass sie mal wieder mit einem Kaffee bewaffnet unterwegs sind, indem sie diesen geräuschvoll mit dem Löffel rührend zu ihrem Platz zurück manövrieren.
Von Sitten und Anstand scheinen auch noch nicht alle Anwesenden etwas gehört zu haben, da beim täglichen Run auf das Müsli gern auch mal mit der Hand in die Packung gegriffen wird, um die Cerealien auf die Schüssel zu befördern. Manche scheinen es an ihrem Arbeitsplatz so gemütlich zu finden, dass sie sich gleich ganz wie zu Hause fühlen und frank und frei ihre Schuhe ausziehen, um das Wohnzimmerfeeling gänzlich genießen zu können.
Derlei Geschichten könnte man noch viele erzählen. Langweilig wird es auf jeden Fall beim Beobachten der Menschen und ihren Angewohnheiten nie.