Einkaufen mit Freundin

Das Leben stellt ein Individuum manchmal vor nahezu unlösbare Herausforderungen. Leistungen müssen erbracht werden, die scheinbar das eigene Potenzial völlig übertreffen. Und Entscheidungen müssen getroffen werden, die für einen selbst so unabsehbare Konsequenzen haben können, dass man am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte. Genauso geht es mir jedes Mal, wenn ich Sachen einkaufen gehe.

Ich gehöre zu den Menschen, die einmal im Jahr einkaufen gehen, dann ihre Sachen solange tragen, bis sie völlig kaputt sind und nicht mehr in der Öffentlichkeit vertretbar sind. Das geht manchmal soweit, dass mich meine Freundin darauf hinweisen muss, dass meine Denim Jeans überall Löcher hat, und meine rote Unterhose durch den Hosenboden sichtbar wird. Dann dauert es meistens noch ein paar Monate und ich bin endlich soweit, keine Ausreden mehr zu haben. Wann immer ich kann, nehme ich weibliche Unterstützung mit ins Einkaufszentrum, da mir aufgefallen ist, dass sie den Proceß enorm beschleunigen. Einer Frau muss ich nur sagen, dass ich gerne Kleider für alle Jahreszeiten hätte, die zudem natürlich auch noch gut aussehen sollen, und wenn möglich robust genug sind, als dass ich sie wieder ein ganzes Jahr lang tragen kann. Und aufgrund irgendeines genetischen Vorteils (so vermute ich zumindest) sind sie dann dazu in der Lage nach einer halben Stunde das gesamte Angebot gescannt und ausgewertet zu haben. Während ich ansonsten allein vor den etlichen Regalen stehe, zaghaft nach dem einen, oder anderen Pullover greife, und mich dann stundenlang frage, ob er auch wirklich die richtige Wahl sei, schaffen es Frauen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Obgleich sie wesentlich unakribischer vorgehen! Meine Freundin geht nach folgender Methode vor (zumindest, was ich davon verstehe): Sie höhrt die Anweisung, wirft einen durch etliche Male erprobten Blick durch den Laden und beginnt dann, aus jedem Regal einige Sachen auszuwählen, das jedoch, völlig nach Gefühl. Ich trippel dabei nur demütig hinter ihr her und nehme dankbar jedes Kleidungsstück auf meine Arme, was mit der Zeit ziemlich anstrengend wird, da der Berg von Sachen, die in ihren Augen potenziell verwendbar wären, von Sekunde zu Sekunde größer wird. Nachdem das erledigt ist, muss sie mir nur noch den Weg zu den Umkleidekabinen weisen, da mir durch all die Sachen eine freie Sicht verwährt bleibt. Hier findet nun die alljährliche Modenshow statt, bei der ich mich jedes mal frage, woher sie die Geduld nimmt, mir dabei zuzuschauen. Absolute Klarheit herrscht zwischen uns beiden darüber, wer hier den Ton angibt, nämlich sie. Darüber bin ich auch sehr glücklich. Denn wogegen ich meist ewig die Vor- und Nachteile eines Kleidungsstücks abwäge, gibt sie meistens ein klares Ja, oder Nein. Manchmal will sie bestimmte Sachen nochmal in Kombination sehen, aber das ist nur nachvollziehbar. Und so brauche ich, durch die tat- und wortkräftige Unterstützung meiner Lieben, häufig nicht eine Minute mehr als zwei Stunden und dreissig Minuten um Sachen zu kaufen, die ein ganzes Jahr lang gebraucht werden können. Die Rechnung gefällt mir.

Bei Schuhen fällt mir dieser Prozeß seltsamerweise wesentlich leichter, da ich finde, dass sich die Kriterien hier nicht wirklich ändern. Gut laufen muss man mit ihnen können, vom Stil her sollten sie nicht zu unterschiedlich im Vergleich mit der restlichen Kleidung sein, und die Farbgebung muss ein weites Spektrum an unterschiedlichen Sachen zulassen. Ich greife hierfür meistens zu zwei Paaren von bunten Sneakers, eins mit einer warmen, und das andere mit einer kalten Farbe, sodass ich, auch was Schuhe angeht, ein Jahr Ruhe habe.

Wie jeder seine Sachen einkauft, bleibt natürlich völlig ihm überlassen, aber jedem, der eigenständig Probleme dabei hat, sich für etwas zu entscheiden, dem möchte ich sehr ans Herz legen, sich einen Vetreter derjenigen Zielgruppe mitzunehmen, für die wir uns überhaupt schön anziehen: die Frauen.