Geschichten, die die U-Bahn schreibt
Wer in einer Großstadt in die U-Bahn steigt, hat nachher immer etwas zu erzählen. Man trifft nirgendwo sonst so viele skurrile Menschen an einem Fleck, wie in einer U-Bahn.
Egal ob man nur beobachtet oder manchmal auch selbst unfreiwillig hineingezogen wird, es bleibt spannend, um welche Geschichte man nachher wieder reicher ist.
Gerade in der Hauptstadt Berlin kennt das Ausmaß der skurrilen Persönlichkeiten keine Grenzen. Ein Mann, der auf einem indischen Trip hängengeblieben zu sein scheint, scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die Insassen des gesamten Wagens mit seiner Erleuchtung anstecken zu wollen und läuft mit einem breiten Grinsen wie in Trance durch die Menge, um hier und da einzelne mit Worten wie "Weltfrieden für alle", "Glück und Reichtum werde Dir zu Teil" oder "eine gute Reise" zu versehen. Zwei Pfandflaschensammler brechen auf Grund ihres verkorksten Lebens in Tränen aus und versuchen sich gegenseitig zu trösten und sich zu schwören, dass bessere Zeiten kommen werden und es nicht zu spät wäre, eine Ausbildung zu beginnen. Freundinnen erzählen sich untereinander von ihren Freunden, die sich ihr Geld damit verdienen Drogen zu verticken und einer von ihnen leider schon zum dritten Mal in Folge im Jugendknast sitzen würde, weil er sich mal wieder nicht unter Kontrolle hatte und einen Freund auf der Straße zusammengeschlagen hat.
Man wird in der U-Bahn unfreiwillig Zeuge weiterer solcher "Schicksale", über die man einfach nur den Kopf schütteln möchte und sich zum wiederholten Male fragt, wie viele verrückte Menschen es eigentlich auf der Welt gibt. Aber ein Gutes hat es doch: man wird sich ein um's andere Mal wieder bewusst, dass bei einem selbst doch alles noch in Ordnung ist und man sich keine Sorgen machen sollte - egal wie aussichtslos vielleicht manchmal alles ist: es gibt immer noch Menschen, die das Maß bei weitem übertreffen!