Vom Besuch im postdramatischen Theater
Modernes Theater ist nicht jedermanns Sache. Das habe ich seit meinem letzten Besuch im Theater wieder am eigenen Leibe erfahren dürfen. Modernes Theater will provozieren - und zwar mit allen Mitteln. Für nichts dürfen sich die Schauspieler zu schade sein. Da wird geschrien, Hochleistungssport auf der Bühne betrieben, Wasser vom Boden geleckt, die grausigsten Grimassen geschnitten, die Kleider werden auch mal mehr als dies nötig gewesen wäre fallen gelassen und moderne Effekte wie der Einsatz von einer Videokamera und der Leinwand dürfen natürlich auch nicht fehlen. Schon längst ist der Bühnenraum nicht mehr nur auf die Bühne festgelegt. Vielmehr werden Grenzen gesprengt, in dem der Zuschauerraum auf die Bühne verlegt wird und umgekehrt. Ekel, Grauen und die Abgründe der menschlichen Existenz werden bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet. Recht schön und gut soweit. Sicherlich sind diese Aspekte interessant, sicherlich kann man wahnsinnig viel hineininterpretieren, die Wirkungsweise analysieren und diskutieren. Das postdramatische Theater möchte schocken und wachrütteln, und das mit allen Mitteln.
Trotzdem - Schande über mein Haupt - gebe ich zu, dass mir das manchmal etwas zu viel wird. Ja, ich gestehe, ich gehe auch gerne mal ins Theater, weil ich unterhalten werden will, weil ich abschalten möchte vom Alltag. Da werde ich nicht immer gerne mit neuen Problemen und erschreckenden Bilder konfrontiert, da möchte ich auch die schönen Seiten des Lebens genießen dürfen. Und zwar, ohne direkt als Kulturbanause abgestempelt zu werden.