Vorfreude ist die schönste Freude
Früher dachte ich, das wäre ein dummer Spruch, mit dem einen die Eltern abspeisen wollten, wenn man es mal wieder nicht abwarten konnte und der Geburtstag oder Weihnachten nicht früh genug kommen konnte. Ich war nervös und die Stunden zogen sich endlos und qualvoll in die Länge. "Wo ist denn dabei die Freude?" habe ich mich immer gefragt.
Nun, heute weiß ich es besser und endlich kann ich nachvollziehen, was die Eltern ihren Kindern damals vermitteln wollten. Das Gefühl des Kribbeln im Bauches, wenn man an die schöne, vor einem liegende Zeit denkt. Man zehrt von der Vorfreude, ja, man braucht sie gar zum Leben. Denn was wäre das Leben ohne ein Ziel, ohne ein in der Zukunft liegendes Ereignis, auf das man sich freuen könnte, auf das man hinleben könnte und das dem Leben Sinn verleiht?
Wenn man sich auf nichts mehr freuen kann, wenn man kein Ziel mehr hat, das es anzusteuern gilt, das man erreichen möchte, wird das Leben auf einmal ein endloser Fluss sich aneinanderreihenden Tagen und Wochen; Monaten und Jahren. Die Einöde droht sich endlos auszubreiten.
Zum Glück sind diese Abschnitte im Leben aber nie all zu lang, denn es bieten sich immer wieder neue Perspektiven und Aussichten. Sei es beruflich oder in der Partnerschaft. Auch ein Urlaub oder ein anstehendes Fest, können die Vorfreude wecken. Und es gibt fast nichts, was einen mehr zu freuen vermag, als das Wiedersehen mit Menschen, die einem nahestehen und die man lange nicht gesehen hat.